50 Jahre Wesel-Römerwardt

Zum 50 jährigen Jubiläum der Flugplatzes Wesel Römerwardt hat der langjährige Flugplatz Referent Norbert Liebe eine Laudatio verfasst, die wir voller Stolz hier präsentieren dürfen. Dankbar sind wir für das Engagement  der Vergangenheit, auf dem wir heute aufbauen dürfen.

 

1.x seit 50 Jahren, damals ganz ohne Instrumente . Ausstellungsstück Schulgleiter SG38 Flugtag 2002

 

Luftsportfreunde Wesel e.V.
Jubiläum – Fünfzig Jahre Flugplatz Wesel-Römerwardt

Etwas Geschichte
und ein paar Geschichten.

Die Geschichte der Flugplatzgründung ist ausführlich dokumentiert durch
eine von G. Kostrzewa (1.Vorsitzender z.Zt. der Gründung) 1997 verfasste
Chronik: Diese liegt auch im Weseier Stadtarchiv vor. (z.T. Quelle dieses
Textes). Im Stadtarchiv liegt weiterhin ein Film über den ersten
hiesigen Flugtag von 1955.

Der Flugplatz heute.

Lage und Grösse In der Weseier Rheinaue, Bereich Römerwardt, 22 m ü.NN, ca. 30 ha

Status

Internat.Kennung: EDLX
Funkfreqenz: 122,025
Flugplatz-Halter: Luftsportfreunde Wesel e.V.
Inbetriebnahme 1955

Sonderlandeplatz (keine Verkehrspflicht) ,
Zulassung für Motorflugzeuge bis 2000 kg, Motorsegler.
Ultraleicht-Flugzeuge und Segelflug.
Darüber hinausgehende Nutzung auf Antrag bei der Bezirksregierung Düsseldorf (z.B. bei PPP-Tagen etc.)

Vorgeschichte
In der Vorkriegszeit lag in der Römerwardt ein Not-Anfluggelände der Lufthansa, ausgestattet mit Nachtbeleuchtung. Im Kriege soll das Gelände
angeblich kurzfristig als Feldflugplatz für eine Jägerstaffel gedient haben. In der Nachkriegszeit war jeglicher deutscher Flugbetrieb untersagt. Im Jahr 1951 wurde der Segelflug wieder zugelassen, 1955 dann
auch der Motorflug einschliesslich der Verkehrsluftfahrt etc.
Planungsphase
Nach der Gründung der Luftsportfreunde Wesel im Jahr 1950 war die Suche nach einem heimatnahen Fluggelände eines der ersten Themen. Wohl angeregt durch o.g. Vorgeschichte richtete sich ab 1952 das Interesse auf die stadtnahe Römerwardt. Eine arbeitsreiche Phase begann. Sie war ausgefüllt mit Gesprächen, Verhandlungen und Korrespondenz mit vielen staatlichen
und privaten Partnern. Dies schaffte schließlich die Voraussetzungen, daß eine Arbeitsgemeinschaft niederrheinischer Luftsportvereine mit der
Arbeit der Geländevorbereitung beginnen konnte. (Zäune und Bombentrichter gab es in Mengen)
Eine Vielzahl von Ideen kamen damals auf. Unter anderem der Wunsch nach öffentlich-privater Trägerschaft, der teilweise gewerblichen Nutzung, der Gründung einer Flugschule und als Besonderheit, die Einrichtung eines
Verkehrslandeplatzes für Hubschrauber. Zu dieser Zeit hatte die Sabena derartige Plätze in Duisburg und Dortmund eingerichtet, um den Anschluss an den internationalen Brüsseler Airport zu ermöglichen. Das war vor der Neugründung der Lufthansa; danach war das allerdings kein Thema mehr. Die Römerwardt ist bis heute im wesentlichen dem Luftsport gewidmet.

Die Gründungssituation
Von Beginn war klar, daß ein Flugplatz nur mit einer Vielzahl von Nutzern wirtschaftlich betrieben werden konnte. Ein derartiger Bedarf war damals gegeben. Für eine Vielzahl von Interessenten gab es bis dahin zu wenige Flugplätze im Rhein-Ruhrgebiet.

Die erwartete Flugbetriebszunahme von Düsseldorf-Lohausen bzw. Nutzungs-Umwidmungen verboten eine Weiternutzung der· Flugplätze Essen-Mülheim und Duisburg-Kasslerfeld. Die Luftsport-Vereine aus Wesei, Duisburg (2), Bochaólt (später 2), Dinslaken, Oberhausen und Emmerich entschlossen sich zur gemeinschaftlichen Gründung und später zur gemeinsamen Platz-Halterschaft (ehem.Flugsportgemeinschaft Wesel).
Das Flugplatz-Gelände lag ursprünglich weiter westlich. Mit der Abgrabung des Jachthafens konnte eine stadtseitige Bodensenke (altes Rheinbett) aufgefüllt werden.Der Platz rückte um ca 250m näher zur Stadt. Der Brückenweg (Karl-Jatho-Weg) wurde u.a. als Zufahrt gebaut. Ein Hangar kam
als Einrichtung des Landes NRW (in städtischer Verwaltung) hinzu·und wurde 1956 in Betrieb genommen. Ursprünglich existierte der Platz
sozusagen nur als Teilzeit-Flugplatz; wochentags als Viehweide, mit Elektrozäunen unterteilt. Fläche anfangs ca. 15 ha.

Die Stadt Wesel als Grundbesitzer konnte sich zu dieser Zeit nur zu einer Überlassung der Fläche auf begrenzte Zeit bereit finden. Mögliche
Auskiesungen oder Industrialisierung drohten im Hintergrund. Die mangelnde Perspektive verhinderte den Zufluss weiterer Landesmittel, z.B. für einen zweiten Hangar und für Clubeinrichtungen.
Eine Nutzung für Segelflug und Motorflug war von Beginn an möglich. Die ersten Starts (Segelflug) erfolgten am 2.7.55 mit Gästen der lokalen
Presse aus Wesel und Duisburg sowie der hiesigen Polizei. Ein viel
beachteter Flugtag konnte schon am 11. September 1955 veranstaltet werden, unter Beteiligung des Bürgermeisters der US-Amerikanischen
Partnerstadt Hagerstown. (ein privater Film bzw. Video ist erhalten!)
Die weitere Entwicklung.

In den Folgejahren ergab sich mit zunehmender Nutzung und behördlichen Auflagen die Notwendigkeit zur Vergrösserung der Platzfläche, die im
Laufe der Zeit auf ca. 30 ha. anwuchs. Ausser dem grossen (Lades-)Hangar entstanden im Bereich der ehem. Eisenbahnbrücke verschieden Werkstätten,
Hangars, Remisen und Clubräume, und die „Tante Ju“, z,T. unterhalb der Brückenbögen. Ein lebhafter Wochenend- und Urlaubs-Flugbetrieb entwickelte sich. Die landwirtschaftliche Mitnutzung wurde umgestellt auf Nutzung als Schafsweide zu Zeiten ohne Flugbetrieb. Eine Konsolidierung der Verhältnisse ergab sich aus der von der Stadt Wesel geforderten Übernahme der Platzhalterschaft durch die LSF-Wesel
Ende der sechziger Jahre. Eine längerfristige Planungssicherheit stellte sich ein durch die Aufstellung eines übergreifenden Landschafts-
nutzungsplanes (Rose-Herzmann-Plan) für die gesamte Weseier Rheinaue.

Danach war 1974 der Abschluss eines Pachtvertrages über 25 Jahre möglich. (Verlängerung um weitere 25 Jahre bis 2025)
Durch die späteren Gründungen der Nachbar-Flugplätze Schwarze Heide, Kamp-Lintfort und Emmerich ergab sich eine Abwanderung von Nutzern und damit eine Entspannung der zeitweiligen Überbelegung. Stattdessen entwickelte sich bis heute eine zunehmende Nutzung durch private Flugzeughalter (Motor- und Segelflug). Eine abnehmende Zahl von Motorflugzeugen (wg. zu hoher Flugbenzin-Kosten) wurde kompensiert durch günstiger zu betreibende Motorsegler und Ultraleicht-Flugzeuge (KFZ-Treibstoff).
Einige spektakuläre Grossflugtage in 1965 und 1967 erreichten traumhafte Besucherzahlen, Ereignisse dieser Art waren späterhin aus verschiedenen
Gründen nicht mehr organisierbar. Als ständige Einrichtungen ähnlicher Art haben sich ab den siebziger Jahren die attraktiven luftsportlichen
Veranstaltungen im Rahmen der Weseier PPP-Tage etabliert; in bewährter Weise jeweils organisiert von der Weseier Stadtverwaltung und dem
Platzhalter.

Gegenwärtiger Stand und Ausblick

Segelflug:
Nutzung durch drei Segelflugvereine mit eigener Ausbildungstätigkeit, sowie einer Anzahl von privaten Halter von Segelflugzeugen.
Z.Zt insgesamt 22 Segelflugzeuge
Motorflug incl. UL und Motorsegler:
Nutzung durch zwei Vereine und einigen Privathaltern.

Z. Zt insgesamt 9 Propeller-Flugzeuge.

Jährliche Startzahlen ln 2004, (jährl. Maximalwerte in früheren Jahren)

Propellerflugzeuge: 1260 (ca. 5000)
Segelflugzeuge:        2060 (ca. 8000)

Die Ausbildung und Bestellung von Flugleitern
ist von der Bezirksregierung auf den Platzhalter übertragen worden.

Die immer problematische (zu knappe) Hangar-Situation hat sich z.Zt. durch Abwanderungen bzw. Hallenvergr6sserung normalisiert. Der alte
grosse Hangar ist vom Land NRW auf den Platzhalter übertragen worden (mit allen Lasten und Pflichten).
Die meisten der „Brückenbogen“-Hangars, sind mittlerweile ebenfalls im Besitz des Platzhalters, sodaß die Stadt Wesel es im wesentlichen -und im Gegensatz zu früher- nur noch mit einem Vertragspartner zu tun hat.
Wie fast alle Sportsparten und Sportvereine musste auch der Luftsport in jüngster Vergangenheit einen gewissen Mitgliederschwund hinnehmen. Die LSF-Wesel profitieren von ihrer Sportausübung vor heimatlicher Kulisse.
Weseler Bürger und Jugendliche finden so leichter Kontakt zum Luftsport, was zu einer annähernd konstanten Mitgliederzahl führt. Dabei stellt sich die eigene Jugendgruppe als besonders attraktiv und aktiv in vielfacher Hinsicht dar. Der Platzhalter hofft, daß sich auch die Anzahl der anderen Flugplatz-Nutzer stabilisiert. Ein sehr positiver Aspekt
ergibt sich neuerdings durch eine verstärkte Mitnutzung durch auswärtige Gäste aus anderen Bundesländern und aus den Niederlanden. Dabei stehen Urlaubs- und Freizeitlager im Vordergrund. Der Platzhalter hat deswegen
schon Investitionen für weitere sanitären Einrichtungen vorgenommen.
Unter den genannten Aspekten scheint ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb des Flugplatzes auch in absehbarer Zukunft möglich. Voraussetzung dazu ist in jedem Falle die engagierte Arbeit von Vorstand und Mitgliedern der LSF-Wesel, dies in bewährter Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung der Stadt Wesel.

Norbert Liebe
Flugplatzreferent
im Frühjahr 2005